In unserer Rubrik BBstimme kommentiert die Redaktion des Brandenburger Boten die Themen, die Brandenburg bewegen.
Brandenburg lebt vom Ehrenamt. In Feuerwehren, Sportvereinen, Kulturinitiativen, Tafeln, Heimatvereinen, Nachbarschaftsprojekten und unzähligen anderen Bereichen leisten Menschen Woche für Woche Arbeit, für die sie häufig weder bezahlt noch besonders sichtbar gewürdigt werden. Vieles, was unseren Alltag zusammenhält, würde ohne sie schlicht nicht funktionieren.
Gerade deshalb ist es problematisch, dass ehrenamtliches Engagement vielerorts fast schon als Selbstverständlichkeit behandelt wird.
Wenn ein Dorffest stattfindet, stehen Menschen vorher stundenlang beim Aufbau. Wenn die Freiwillige Feuerwehr ausrückt, lassen Ehrenamtliche Familie, Freizeit oder Arbeit zurück. Wenn Kinder am Wochenende Fußball spielen können, dann meist deshalb, weil Trainer, Betreuer und Vereinsvorstände ihre Zeit investieren. Und wenn ältere oder hilfsbedürftige Menschen Unterstützung bekommen, steckt dahinter nicht selten privates Engagement.
All das ist wertvoll. Aber all das ist eben nicht selbstverständlich.
In vielen Regionen Brandenburgs ist das Ehrenamt sogar weit mehr als eine nette Ergänzung staatlicher oder kommunaler Angebote. Es ist ein tragender Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Besonders in kleineren Städten und Gemeinden übernehmen Vereine, Initiativen und freiwillige Helfer Aufgaben, die anderswo vielleicht von größeren Institutionen aufgefangen werden.
Das macht Brandenburg stark. Es birgt aber auch eine Gefahr.
Denn dort, wo Ehrenamt dauerhaft Lücken schließen muss, die eigentlich strukturell gelöst werden müssten, wird aus freiwilligem Engagement schnell eine stille Erwartungshaltung. Dann heißt es sinngemäß: Irgendjemand wird es schon machen.
Genau diese Haltung darf sich nicht festsetzen.
Ehrenamt braucht Anerkennung, aber Anerkennung darf sich nicht auf Urkunden, Dankesreden und einmalige Empfänge beschränken. Wer Engagement wirklich fördern will, muss vor allem die Bedingungen verbessern.
Dazu gehören weniger Bürokratie, verlässliche Förderprogramme, unkomplizierte Unterstützung durch Kommunen und bessere Rahmenbedingungen für Menschen, die viel Freizeit für andere opfern.
Gerade kleinere Vereine kämpfen häufig mit Verwaltungsaufwand, Anträgen, Datenschutzvorgaben, Versicherungsfragen und immer neuen organisatorischen Anforderungen. Vieles davon ist nachvollziehbar und notwendig. Trotzdem darf Bürokratie nicht dazu führen, dass Menschen irgendwann mehr Zeit am Schreibtisch verbringen als bei der eigentlichen ehrenamtlichen Arbeit.
Auch Arbeitgeber spielen eine wichtige Rolle. Wer sich beispielsweise bei der Freiwilligen Feuerwehr engagiert oder Verantwortung in einem Verein übernimmt, braucht gelegentlich Flexibilität. Ehrenamt sollte stärker als gesellschaftliche Leistung verstanden werden, von der letztlich auch Unternehmen und Gemeinden profitieren.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Viele Vereine finden immer schwerer Nachwuchs für Vorstände und verantwortliche Positionen.
Menschen helfen durchaus gerne bei einzelnen Veranstaltungen. Deutlich schwieriger wird es, wenn jemand dauerhaft Verantwortung übernehmen soll. Das liegt nicht unbedingt an mangelnder Bereitschaft. Oft schrecken Zeitaufwand, Haftungsfragen und administrative Pflichten ab.
Wenn Brandenburg sein starkes Vereins- und Gemeinschaftsleben erhalten will, muss deshalb auch darüber gesprochen werden, wie ehrenamtliche Strukturen moderner und einfacher werden können.
Denn gerade außerhalb der großen Städte entscheidet das Ehrenamt oft darüber, ob ein Ort lebendig bleibt.
Der Sportverein, die Feuerwehr, das Dorffest, der Kulturverein oder die Bürgerinitiative sind nicht bloß Freizeitangebote. Sie schaffen Begegnung. Sie verbinden Generationen. Sie sorgen dafür, dass Menschen miteinander ins Gespräch kommen und Verantwortung für ihren Ort übernehmen.
In Zeiten, in denen gesellschaftlicher Zusammenhalt häufig beklagt wird, sollten wir genau diese Strukturen besonders schützen.
Ehrenamt ist freiwillig. Und genau deshalb ist es so wertvoll.
Wer seine Zeit anderen Menschen schenkt, tut das nicht, weil er dazu verpflichtet ist. Er tut es aus Überzeugung, aus Verbundenheit oder aus dem Wunsch heraus, das eigene Umfeld ein Stück besser zu machen.
Brandenburg sollte deshalb nicht nur dankbar dafür sein, dass so viele Menschen Verantwortung übernehmen.
Es sollte alles dafür tun, dass sie auch in Zukunft Lust darauf haben.
Denn eine Gesellschaft, die sich auf Ehrenamt verlässt, darf niemals vergessen, dass hinter jedem freiwilligen Einsatz ein Mensch steht, der sich bewusst dafür entschieden hat.
Und diese Entscheidung verdient mehr als nur ein gelegentliches Dankeschön.


