Präkrastination bezeichnet das Verhalten, Aufgaben sofort anzugehen, obwohl sie womöglich später effektiver erledigt werden könnten. Dieser Drang, dringende Aufgaben ohne Verzögerung zu bewältigen, kann zu Überlastung führen, die häufig mit Stress einhergeht und im Extremfall sogar zu einem Burnout führen kann. Florian Becker, ein Wirtschaftspsychologe, sieht Präkrastination als Gegensatz zur Prokrastination, die von Faulheit und Unentschlossenheit geprägt ist. Während Prokrastination jedoch eine pathologische Störung darstellen kann, ist Präkrastination ein weit verbreitetes Verhalten, das oft zu durchschnittlichen Ergebnissen führt. Wenn Menschen Aufgaben sofort abschließen, laufen sie Gefahr, die Qualität ihrer Arbeit zu beeinträchtigen und sich zu überarbeiten. Ein Verständnis von Präkrastination und ihren Auswirkungen ist entscheidend, um gesunde Arbeitsgewohnheiten zu fördern und die persönliche Produktivität zu steigern.
Ursachen: Warum handeln wir sofort?
Der Drang, Aufgaben sofort zu erledigen, kann aus einer Vielzahl von Gründen resultieren. Oftmals sind Stress und Übermotivation wesentliche Faktoren, die Menschen dazu bringen, impulsiv zu handeln. In einer Zeit, in der Effizienz hoch geschätzt wird, neigen viele dazu, sofortige Entscheidungen zu treffen, um lange To-Do-Listen abzuarbeiten. Diese Form des Aktionismus kann jedoch ins Gegenteil umschlagen: Statt produktiv zu sein, führt dies häufig zu ineffizientem Arbeiten und einer erhöhten Belastung, die langfristig in Stress oder sogar Burnout münden kann.
Ein weiterer Aspekt ist die Angst vor Prokrastination. Viele verbinden Unentschlossenheit mit negativem Verlauf und versuchen daher, dieser entgegenzuwirken, indem sie Aufgaben sofort angehen. Dieses Verhalten kann nicht nur zu unüberlegten Entscheidungen führen, sondern auch die Qualität der Arbeit beeinträchtigen. Ein stark ausgeprägtes Bedürfnis, ständig aktiv zu sein, könnte schließlich sogar zu gesundheitlichen Problemen führen, da die Balance zwischen Arbeit und Erholung verloren geht. Über die Zeit hinweg zeigt sich, dass Präkrastination, trotz ihrer vermeintlichen Vorteile, auch als Vorstufe zu ernsthaften Krankheiten betrachtet werden könnte.
Präkrastination vs. Prokrastination: Ein Vergleich
Sowohl Präkrastination als auch Prokrastination zeichnen sich durch einen impulsiven Umgang mit Aufgaben aus, doch sie verfolgen unterschiedliche Strategien im Umgang mit schwierigen und langwierigen Herausforderungen. Während Prokrastination, häufig als Aufschieberitis bezeichnet, das bewusste Verzögern von schulischen, akademischen oder beruflichen Aufgaben impliziert, beschreibt Präkrastination den Drang, Aufgaben unnötig früh zu erledigen, um sich selbst zu überlisten. Der Wirtschaftspsychologe Christian Rieck und US-Psychologe David A. Rosenbaum von der Pennsylvania State Universität haben untersucht, wie diese Verhaltensweisen sich auf unsere Effizienz im Privatleben auswirken. Während Prokrastination meist zu einer Arbeitsstörung führt und den Stress erhöht, bei dem sich Aufgaben anhäufen, kann Präkrastination, oder auch Vorzieheritis, den Druck durch zu frühes Handeln erhöhen. Florian Becker beschreibt, dass Menschen oft glauben, sie seien durch Präkrastination produktiver, doch die ständige Selbstüberlistung kann langfristig zu Frustration und einem ineffektiven Arbeitsstil führen. Ein bewusster Umgang mit beiden Verhaltensmustern kann helfen, die Produktivität zu steigern und das Gleichgewicht zwischen rechtzeitigem Handeln und nachhaltiger Erledigung zu finden.
Wie man Prioritäten richtig setzt
Die Kunst, Prioritäten richtig zu setzen, ist entscheidend, um der Präkrastination entgegenzuwirken. Oft führen im Alltag zahlreiche Aufgaben und To-Dos zu einer Erledigungswut, die uns in die Gefahr der Überforderung bringt. Anstatt impulsiv zu handeln, sollten wir systematisch vorgehen und unsere Wünsche sowie Optionen analysieren. Eine hilfreiche Methode ist das Erstellen einer Anspruchsordnung, bei der Faktoren wie Dringlichkeit und Wichtigkeit berücksichtigt werden. Techniken wie die Eisenhower-Matrix helfen, Aufgaben zu kategorisieren und visuell ansprechend zu ordnen, etwa durch ein übersichtliches Farbschema. Diese psychologische Strukturierung unserer To-Dos erleichtert nicht nur die Entscheidungsfindung, sondern beugt auch der Prokrastination vor. Indem wir uns klar über unsere Prioritäten sind, können wir unsere Psyche entlasten und fokussierter arbeiten. Es ist wichtig, regelmäßig zu reflektieren, welche Prioritäten tatsächlich relevant sind und welche eventuell zur emotionalen Belastung führen. So schaffen wir einen klaren Kopf, um sinnvoll zwischen den Optionen zu wählen und effizient zu handeln.


