Montag, 31.08.2026

BBstimme: Warum Brandenburg mehr Selbstbewusstsein braucht

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Aktuelle Nachrichten aus Brandenburg und Berlin

In unserer Rubrik BBstimme kommentiert die Redaktion des Brandenburger Boten die Themen, die Brandenburg bewegen.

Brandenburg wird erstaunlich oft darüber definiert, was es nicht ist. Nicht Berlin. Nicht westdeutsches Wirtschaftszentrum. Nicht Metropole. Nicht laut. Nicht glamourös.

Vielleicht liegt genau darin ein Teil des Problems.

Denn Brandenburg hat allen Grund, selbstbewusster aufzutreten. Nicht mit künstlicher Überheblichkeit und auch nicht mit großen Parolen, sondern mit einem klareren Blick auf die eigenen Stärken.

Dieses Land ist weit mehr als der Raum rund um Berlin.

Brandenburg sind Städte wie Potsdam, Cottbus, Brandenburg an der Havel, Frankfurt an der Oder, Oranienburg, Neuruppin, Eberswalde, Senftenberg, Luckenwalde und Prenzlau. Brandenburg sind aber genauso die kleinen Städte, Dörfer und Gemeinden zwischen Prignitz, Uckermark, Lausitz, Havelland, Barnim, Oderland und Fläming.

Und überall dort gibt es Dinge, die dieses Land besonders machen.

Brandenburg hat Industriegeschichte und Zukunftsprojekte. Es hat Hochschulen, Mittelstand, Landwirtschaft, Seenlandschaften, Naturparks, Kultur, Handwerk und eine enorme Vielfalt an Regionen. Es hat Orte, die stark wachsen, und Orte, die um jede Familie, jeden Arzt und jedes Geschäft kämpfen müssen.

Gerade diese Gegensätze gehören zur Realität Brandenburgs.

Trotzdem entsteht in öffentlichen Debatten häufig der Eindruck, Brandenburg müsse sich permanent an Berlin messen. Wenn eine Region wächst, dann oft, weil sie vom Berliner Umland profitiert. Wenn Unternehmen kommen, wird die Nähe zur Hauptstadt betont. Wenn Menschen zuziehen, ist schnell vom Speckgürtel die Rede.

Natürlich ist Berlin für Brandenburg von enormer Bedeutung. Beide Länder sind wirtschaftlich, verkehrlich und gesellschaftlich eng miteinander verbunden.

Aber Brandenburg darf sich nicht darauf reduzieren lassen, das Umland der Hauptstadt zu sein.

Potsdam ist nicht interessant, weil Berlin nebenan liegt. Cottbus ist nicht wichtig, weil dort Strukturwandel stattfindet, über den bundesweit gesprochen wird. Frankfurt an der Oder ist nicht nur Grenzstadt. Brandenburg an der Havel ist nicht bloß eine Station zwischen Berlin und Magdeburg.

Diese Städte haben eigene Geschichten, eigene Herausforderungen und eigene Perspektiven.

Dasselbe gilt für Regionen wie die Lausitz.

Dort wird gerade besonders deutlich, wie wichtig Selbstbewusstsein ist. Der Ausstieg aus der Braunkohle ist ein enormer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Einschnitt. Gleichzeitig fließen Milliarden in Strukturentwicklung, Infrastruktur, Wissenschaft und neue Unternehmen.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur, was nach der Kohle kommt.

Die Frage lautet auch: Was will die Lausitz selbst sein?

Diese Haltung braucht es in ganz Brandenburg.

Zu oft wird Entwicklung als etwas beschrieben, das von außen kommt. Ein Investor kommt. Ein Förderprogramm kommt. Menschen aus Berlin kommen. Eine neue Bahnverbindung soll kommen.

Doch Zukunft entsteht nicht allein dadurch, dass jemand anderes etwas bringt.

Brandenburg muss selbst definieren, wohin es will.

Dazu gehört auch, die eigenen Erfolge stärker wahrzunehmen.

In Städten wie Oranienburg, Falkensee, Bernau oder Königs Wusterhausen zeigt sich, wie attraktiv Brandenburg als Wohnort geworden ist. Gleichzeitig beweisen Städte wie Eberswalde, Neuruppin oder Cottbus, dass wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung auch jenseits des unmittelbaren Berliner Umlands möglich ist.

Natürlich sind längst nicht alle Probleme gelöst.

Es gibt Regionen mit Ärztemangel. Es gibt schlechte Bahnverbindungen, Funklöcher, fehlende Ausbildungsplätze und Innenstädte, die mit Leerstand kämpfen. Viele Gemeinden haben Schwierigkeiten, ihre Infrastruktur aufrechtzuerhalten.

Selbstbewusstsein bedeutet nicht, diese Probleme schönzureden.

Im Gegenteil.

Wer selbstbewusst ist, kann Probleme klar benennen, ohne daraus gleich eine Erzählung vom dauerhaften Zurückbleiben zu machen.

Genau das fehlt Brandenburg manchmal.

Wir sollten nicht bei jeder Statistik sofort fragen, wie weit wir hinter anderen Bundesländern liegen. Wir sollten genauso fragen, wo Brandenburg Dinge anders und vielleicht sogar besser macht.

Denn das Land besitzt etwas, das in dicht besiedelten Regionen zunehmend knapp wird: Raum.

Raum für Natur. Raum für Unternehmen. Raum für neue Wohnformen. Raum für erneuerbare Energien. Raum für Ideen.

Dieser Raum ist ein großer Vorteil, wenn er klug genutzt wird.

Brandenburg kann in den kommenden Jahrzehnten bei Energie, Mobilität, Industrie und regionaler Entwicklung eine deutlich größere Rolle spielen, als es sich manchmal selbst zutraut.

Dafür braucht es aber eine Haltung, die über das Verwalten hinausgeht.

Es reicht nicht, auf Entscheidungen aus Berlin oder aus dem Bund zu warten. Kommunen, Landkreise, Wirtschaft und Landespolitik müssen eigene Ideen entwickeln und sie selbstbewusst vertreten.

Das gilt auch kulturell.

Brandenburg muss seine Identität nicht künstlich erfinden. Sie ist längst da.

Sie steckt in der Prignitz genauso wie im Spreewald, in der Uckermark genauso wie im Havelland, in der Lausitz genauso wie im Oderbruch.

Und gerade weil diese Regionen so unterschiedlich sind, lässt sich Brandenburg nicht auf eine einzige Geschichte reduzieren.

Vielleicht ist genau das seine Stärke.

Ein selbstbewusstes Brandenburg muss nicht behaupten, besser zu sein als andere.

Es muss nur aufhören, sich ständig kleiner zu machen, als es ist.

Denn Brandenburg ist nicht das Land neben Berlin.

Brandenburg ist Brandenburg.

Und es ist höchste Zeit, dass wir auch so darüber sprechen.

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